Wenn man heute durch Mayrhofen geht und das alte Schulhaus betrachtet, kann man kaum erahnen, wie weit seine Geschichte zurückreicht. Alles begann im Jahr 1674, als Erzbischof Gandolf mit seinem Stiftsbrief den Grundstein für das Vikariat legte. Mit der Seelsorge kam auch die Schule und damit der Anfang eines geordneten Unterrichts in unser Dorf. Schon wenige Jahre später, 1677, wird ein gewisser Wolfgang Egger erwähnt, der erste bekannte Lehrer und zugleich Mesner. Über Generationen hinweg blieb dieses Amt in der Familie Egger (Sigeler). Man kann sich gut vorstellen, wie sie über Jahrzehnte hinweg Kinder unterrichteten, bis schließlich Mathias und Gottfried Egger im Jahr 1833 ihre Tätigkeit beendeten.
Ein Schulhaus gab es damals aber noch nicht. Unterrichtet wurde dort, wo gerade Platz war: im Widum, später im Wechselberger-Haus – heute Pollinger/Eberharter – und auch im alten Riedlhaus (damals Messnerhaus). Als Kaiserin Maria Theresia 1774 die Schulpflicht einführte, stieg die Schülerzahl rapide. Plötzlich saßen mehr Kinder in den Schulstuben als eigentlich Platz hatten. So entstand um 1830 in Steglach eine Nebenschule für die Kinder des vorderen Zillergrund.
Mit dem Bau des Kirchleins Maria Schnee im Jahr 1845 bekam Mayrhofen schließlich eine weitere Schule. Doch das Leben im Zillertal war nie ganz einfach: 1878 zerstörte ein Hochwasser Kirche und Schule. Erst Jahrzehnte später im Jahr 1909 wurde alles wieder aufgebaut. In Häusling wurde lange unterrichtet: erst 1955 wurde die Schule wegen zu geringer Schülerzahl geschlossen.
Ein großer Schritt war das Jahr 1837, als Mayrhofen endlich ein eigenes Schulhaus bekam. Doch auch dieses kam mit der Zeit an seine Grenzen. Immer wieder musste angebaut und umgebaut werden. Bereits im Schuljahr 1838/39 saßen 102 Kinder in der zweiklassigen Volksschule – eine beachtliche Zahl für die damalige Zeit.
Als es 1895 erneut zu eng wurde, kaufte die Gemeinde 100 m2 Grund von den Pfarrpfründen.
Als 1901 Hans Oberforcher die Schulleitung übernahm, bekam die Schule nicht nur einen Lehrer, sondern auch einen richtigen Gestalter des Mayrhofner Kulturlebens.
1921 war der Platzmangel in der Schule nicht mehr tragbar. Die Gemeindekasse war leer, die Zeit schwierig. Also führte man eine Sondersteuer ein und sogar die Alpenvereinssektionen halfen mit beträchtlichen Spenden aus, um den Ausbau der Schule zu ermöglichen.
1967 schließlich verließ der letzte Schüler das alte Schulhaus. Damit ging eine lange Epoche zu Ende. Heute lernen die Kinder in einem modernen Schulzentrum zwischen dem Josef-Riedl-Platz und der Pfarrer-Krapf-Straße.
Und das alte Schulhaus? Es hat eine neue Aufgabe bekommen. Als „Habeler-Haus“, benannt nach dem berühmten Bergsteiger Peter Habeler, bleibt es ein Teil unserer Mayrhofener Geschichte, ein Ort der Begegnung – damals und heute.

