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Roman Erler – Urgestein der Tiroler Höhlenforscherszene

Wie aus einer Vision die höchstgelegene Schauhöhle Europas entstand

Donnerstag, 16. April 2026
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Roman Erler – Entdecker und Betreiber vom Natur Eis Palast im Hintertuxer Gletscher, 1962 in Tux geboren und heute mit seiner Familie in Ginzling lebend, zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der Tiroler Höhlenforschung und ist seit 1991 Mitglied im Landesverein für Höhlenkunde in Tirol. Schon früh entdeckte er zahlreiche Höhlen im Tuxertal, darunter die Spannagel-Eishöhle, die Murmeltierhöhle, die Sommerberghöhlen und die Mitterschneidkar-Eishöhle.

Anfang der 1990er Jahre baute er den vorderen Teil der Spannagelhöhle nahezu im Alleingang zur Schauhöhle aus und erforschte gleichzeitig deren tiefere Bereiche. Später wandte er sich einem weiteren Höhlenprojekt zu, dem Eispalast knapp 700 Höhenmeter über der Spannagelhöhle. Über die Jahre baute er diese Gletscherhöhle zu einem weiteren Publikumsmagneten aus. Im Interview mit Univ.-Prof. Mag. Dr. Christoph Spötl in der aktuellen Ausgabe „Die Höhle – Zeitschrift für Karst- und Höhlenkunde“ blickt Roman auf die Anfänge zurück, als er – motiviert von Josef Klausner – die Spannagelhöhle zur höchstgelegenen Schauhöhle Europas ausbaute. 

Roman, wie hat eigentlich alles mit der Spannagel Schauhöhle begonnen?

Der Ursprung war eigentlich eine Versammlung des Tourismusverbands in Tux Anfang der 1990er Jahre. Josef Klausner, Wirt vom Spannagelhaus, hat damals die Idee eingebracht, die Höhle direkt neben der Hütte touristisch zu erschließen. Viele haben ihn damals nicht ernst genommen und niemand konnte sich vorstellen, welches Naturjuwel da eigentlich verborgen lag.

Wann wurdest du in die Idee mit einbezogen?

Josef wusste, dass ich die Höhle kannte, weil ich sie mit dem Landesverein für Höhlenkunde in Tirol schon mehrmals befahren hatte und fragte mich, was ich davon halte. Ich hab ihm gesagt: „Wenn man’s langsam und mit Geduld macht, dann wird da etwas richtig Schönes draus.“ Der Gedanke hat mich von da an nicht mehr losgelassen – und so haben wir beschlossen, gemeinsam loszulegen. Er hat sich um das Material gekümmert, und ich habe ehrenamtlich gearbeitet – einfach aus Begeisterung für die Sache.

Wie ging’s dann weiter? Da braucht es ja Genehmigungen?

Genau. Es brauchte Genehmigungen der Bundesforste und der Umweltschutzabteilung der BH Schwaz. Der Höhlenschutzsachverständige war anfangs erstaunt, wie aufwendig das werden würde. Aber er war dafür, weil wir nur einen kleinen Teil der damals bekannten 4,3 Kilometer erschließen wollten. 

Wie hast du dich auf die Arbeiten vorbereitet?

Ich hab damals die staatliche Höhlenführerausbildung gemacht – das war wichtig, auch aus Sicherheitsgründen. Und durch meine handwerkliche Ausbildung – ich war Bau- und Maschinenschlosser, Schmied – konnte ich viele Dinge selbst umsetzen.  Ich war tagsüber Skilehrer und am späten Nachmittag ging’s ab in die Höhle. Oft hab ich allein bis zwei Uhr früh gearbeitet. Pickel, Bohrmaschine, Stirnlampe – das war mein Alltag. 

Wie war die Höhle damals beschaffen?

Schwer begehbar, teilweise konnte man nur auf dem Bauch weiter. Es gab mehrere Verstürze und Engstellen. Ich wollte aber, dass die Höhle so natürlich wie möglich bleibt. Also musste ich Bruchmaterial sorgfältig unter dem Originalsediment verstecken. Felsen habe ich so gespalten, dass sie sich perfekt zu Stufen formen ließen. Es war alles eine Frage der Technik – und auch der Ästhetik. Am Ende sollte der Besucher das Gefühl haben, dass die Höhle immer schon so gewesen ist.

Wann konntet ihr die ersten Besucher empfangen?

Am 15. Juli 1994 war die feierliche Einweihung – mit Segnung durch Pfarrer Otto Walch. Das war ein besonderer Moment. Die ersten Führungen konnten wir nach der Installation von Strom und Handläufen anbieten. Die Beleuchtung wurde so gemacht, dass sie indirekt wirkt – damit die Leute nicht geblendet werden und die Formen der Höhle richtig zur Geltung kommen. Auch Handläufe und Brücken habe ich selbst gebaut – mit verzinktem Stahl, alles so robust wie möglich.

Du hast danach ja weiter ausgebaut, richtig?

Ja, es folgte der Ausbau des „Dünndarms“, dann der „Wassergang“, in dem ich ein kleines Museum mit Schaustücken aus den tieferen Teilen eingerichtet habe. Ich hab dort sogar ein Spinnennetz aus Stahlseil gebaut – mit einer Fledermaus als Logo in der Mitte. Nebenbei hab ich die Wasserversorgung der Hütte verbessert. Früher war das im Winter oft ein Problem – zu wenig Sickerwasser. Also hab ich tiefere Strudeltöpfe freigelegt, Leitungen verlegt, Pumpen installiert – das war ein Riesenaufwand, aber ein echter Gamechanger für die Hütte.

Wie war die Zusammenarbeit mit Josef Klausner?

Wir waren ein starkes Team. Er hatte die Vision und ich die Ausdauer, sie umzusetzen. Es war ein gegenseitiges Vertrauen. Leider ist Sepp viel zu früh gestorben. Ich erinnere mich noch an die Worte des Pfarrers bei seiner Beerdigung: „Du warst der Initiator der Schauhöhle, die du gemeinsam mit einem anderen verwirklicht hast.“ Das hat mich sehr bewegt.

Warum hast du die Höhle nach seinem Tod nicht übernommen?

Der ÖTK wollte, dass ich die Hütte pachte, aber ich bin kein Hüttenwirt. Ich hab damals Sepps Neffen Christoph empfohlen, da ich wusste, dass er das Herz und das Potenzial dafür hatte. Die Höhle liegt heute in seinen Händen. 

Wie ging dein Weg danach weiter?

Ich hab eine eigene Outdoor- und Bergsteigerschule gegründet. Klettersteige gebaut, Canyoning-Routen eingerichtet, Paragleiten angeboten – alles, was das Abenteuerherz höherschlagen lässt. Der „Flying Fox“ war ein Highlight. Und trotzdem hab ich nie die Höhlenforschung aus den Augen verloren. Die Entdeckung des „1995er Fensters“ war ein Meilenstein – heute kennen wir rund 12 Kilometer Höhlensystem. Und es gibt noch viel zu entdecken.

Rückblickend – was bedeutet dir das alles?

 Es war eine Lebensaufgabe, aus Leidenschaft geboren. Ich hab viel Energie, Zeit und Herzblut reingesteckt – aber ich würde es jederzeit wieder tun. Die Höhle steht heute für etwas, das weit über Tourismus hinausgeht: für Naturschutz, Bildung, Abenteuer und Wissenschaft. Und das macht mich stolz. pr

Einweihung der Schauhöhle durch Pfarrer Otto Walch am 15.7.1994. Links (den Höhleneingang verdeckend) Roman Erler, rechts Wilhelmine Egger, Seniorchefin vom Hotel Hohenhaus in Hintertux, die als Höhlenpatin fungierte.

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