Please disable Ad Blocker before you can visit the website !!!

Der Heilige bei der Hollenzbrugge!

Anno dazumal – Ortschronik Mayrhofen

Mittwoch, 13. Mai 2026
thumbnail

Auf der rechten Seite vor der Hollenzbrücke in einem gemauerten Bildstöck’l, da stand er seit eh und je: der Brückenheilige. Die Leute gehen vorbei und schenken ihm keine Beachtung. Ja, sie wissen vielleicht gar nicht, wer das ist. Er hat seit 1930 nach der Ziller-Regulierung an Bedeutung verloren. Es wissen heute nur noch wenige, was für Urgewalten frei wurden, wenn der Ziller Hochwasser führte: es rumpelte und krachte, die Luft roch nach Schwefel, als ob der Teufel persönlich, in der Unheil bringenden Flut alles mit sich  reißend, Angst und Schrecken verbreitete. Da hat man den Brückenheiligen Nepomuk angerufen, er möchte die Wassergewalt des Ziller bändigen und es in der Höhe schneien lassen, damit das Wasser sinkt. Nach der Hochwasser-Kata-
strophe 1878 wurde sogar ein Gelöbnis gemacht, demzufolge am 16. August eine jährliche Prozession stattfinden sollte. Diese wurde wegen des zu starken Fremdenverkehrs und des dadurch bedingten Straßenverkehrs eingestellt. Anstelle der Prozession wurde am selben Tag ein Wetteramt abgehalten.

Da stand der heilige Nepomuk nun in seiner Nische seit weit mehr als 100 Jahren und war all den Wettern und den Abgasen der modernen Zeit ausgesetzt. Das hat der Holzfigur arg zugesetzt! Marlene und Rudi Bacher, die engsten Nachbarn des Brückenheiligen, haben sich jetzt der Figur angenommen und sie vom heimischen Künstler Markus Kröll restaurieren lassen. Danke, Rudi und Marlene!

Aber wer war dieser heilige Nepomuk, der Brückenheilige und Schutzpatron gegen Wassergefahren, eigentlich? Er hieß mit bürgerlichem Namen Johannes und wurde Mitte des 14. Jahrhunderts in Nepomuk nahe der Stadt Pilsen im heutigen Tschechien geboren. Der Priester und Mitarbeiter im Erzbistum von Prag wurde in seinem Amt als rechte Hand des Erzbischofs in die machtpolitischen Auseinandersetzungen zwischen der Kirche und König Wenzel verstrickt. Nepomuk wurde als Sündenbock gefoltert und schließlich am 20. März 1393 von der Karlsbrücke in die Moldau gestürzt und ertränkt. Der Legende nach soll der Heilige der Beichtvater der Königin Sophie gewesen sein. Ihr eifersüchtiger Ehemann wollte wissen, was die Königin gebeichtet hatte. Nepomuk soll das Beichtgeheimnis aber gewahrt haben und deshalb beim König in Ungnade gefallen sein.

Johannes Nepomuk wurde 1729 von Papst Benedikt XIII. als Märtyrer heilig gesprochen. Zu dieser Zeit wurden viele Nepomukstatuen an den Brücken in ganz Europa aufgestellt. Wir vom Chronikteam Mayrhofen glauben, dass auch unsere Nepomukstatue aus dieser Zeit um 1730 stammt. Seitdem wacht auch unsere Nepomukstatue an der Hollenzbrücke. Am 16. Mai, dem Gedenktag des heiligen Nepomuk, wird die Figur wieder an ihren Platz bei der Hollenzbrücke eingesetzt. Möge der Brückenheilige auch weiterhin schützend seine Hand über das Tal halten, selbst wenn wir heute vielleicht seltener an seine Geschichte denken.

Schreibe einen Kommentar

Zillertaler Heimatstimme

Service