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Leserbriefe die an dieser Stelle veröffentlicht werden, geben nicht die Meinung des Herausgebers bzw. der Redaktion, sondern die des Verfassers wieder.
Der Glockner beugt sich nicht herunter. Dass man ihm auf Augenhöhe gegenübertreten kann, durfte ich 2025 selbst erfahren.
Seit 70 Jahren bin ich ständig im Hochgebirge unterwegs, für dieses unwegsame Gelände – so meine Selbsteinschätzung – wie geschaffen. Als ich in einer Zeitschrift las, dass am Großglockner die Bergtragödien ebenso weit zurückreichen wie die großen Bergerlebnisse, war das für mich der Antrieb, diesen Gipfel selbst zu erreichen.
Ich wartete einen günstigen Zeitpunkt ab. Fast jeder Bauer hat ein gewisses Gespür dafür, dass es für alles eine günstige und eine ungünstige Zeit gibt. Für einen Profi mag das vielleicht lächerlich klingen. Doch wenn man ein gewisses Alter überschritten hat und nicht mehr alles aus sich selbst abrufen kann, sind solche natürlichen Orientierungshilfen ein brauchbares Mittel. Für mich sind das drei Dinge: die Jahreszeit, die Tageszeit und der Mondstand. Als Neuling auf diesem Berg wollte ich nichts dem Zufall überlassen.
Der Aufstieg fühlte sich an, als hätte man mir eine Droge verabreicht: Je höher man kommt, desto weniger gehorcht man dem Verstand. Die Emotionen spielen die erste Geige, und der richtige Zeitpunkt für den Rückzug wird nur mehr schwach wahrgenommen – was gerade für Neulinge äußerst gefährlich ist. Bewusst wurde mir das allerdings erst im Nachhinein.
Dass das Bergsteigen am Großglockner seinen Anfang auch in der bäuerlichen Bevölkerung hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Das Aufwachsen am Fuße eines solchen Berges bringt Menschen hervor, die die körperliche Eignung besitzen und jenes Urvertrauen entwickeln, das es braucht, um als Bergführer in diesen alpinen Hochlagen zu bestehen. Die besserbetuchten und feinen Herrschaften haben sich einst solchen Bauernburschen anvertraut, um zu ihren einzigartigen Gipfelerlebnissen zu gelangen.
Abschließend meine ich: Es gibt kein Alter, in dem man nicht das tun sollte, was man unbedingt tun will.
Jakob aus Rohrberg

