Maria Hofer und ihr unbeschreibliches Gefühl als Astronautin für einen Tag
Faszination Universum, Grenzenlosigkeit, Unabhängigkeit, Unendlichkeit, Freiheit
Wer hat nicht schon mal davon geträumt, schwerelos und leicht zu sein, Alltagsstress hinter sich zu lassen und einfach nur zu fliegen und sich ganz dem Moment hinzugeben. Oder als Astronaut:in das Weltall zu erforschen und ungeahnte Abenteuer zu erleben. Im Zuge des Projekts „Werde Astronaut:in für einen Tag“ wurde dieser Traum für die Zillertalerin Maria Hofer Wirklichkeit, sie startete am 15. Oktober mittels ZeroG-Flugs in grenzenlosberauschende Höhen.
Österreich war heuer zum ersten Mal Teil der von der portugiesischen Weltraumagentur inspirierte und nach Vorbild der luxemburgischen Weltraumagentur umgesetzten Initiative „Astronaut for a Day“. Damit wird zusammen mit Luxemburg und Estland ein neues Bildungsformat umgesetzt, welches die jungen Menschen für Raumfahrt, Technologie und Wissenschaft begeistern soll. Ein Gemeinschaftsprojekt vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur mit Ars Electronica und der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft, unterstützt vom Bundesministerium für Bildung, organisiert mit der Luxembourg Space Agency sowie dem Estonian Space Office.
Die Mayrhofnerin Maria Hofer, die zurzeit die ISK (International School Kufstein) besucht, schaffte es unter die 14 Jugendlichen, die für einen Parabelflug in Luxemburg ausgewählt worden waren. Und dies sogar als einzige Westösterreicherin.
Maria, was war dein erster Gedanke, als du erfuhrst, dass du dabei bist?
Als ich erfuhr, dass ich es tatsächlich in die finale Auswahl geschafft hatte, konnte ich es zuerst gar nicht glauben. Ich war total überwältigt und konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Ich hatte die E-Mail bestimmt zehnmal gelesen, bevor ich endlich, mit einem strahlenden Grinsen, zu meinen Eltern rannte, um ihnen die aufregenden Neuigkeiten mitzuteilen. Ich hatte zwar von einer Zusage geträumt, aber der Moment, als meine Fantasie wirklich zur Realität wurde, war ein unbeschreibliches Gefühl.
Was war deine Motivation gewesen, dich überhaupt zu bewerben?
Ich hatte schon länger davon geträumt, einmal das Gefühl von Schwerelosigkeit zu erleben, ich wollte immer schon „mehr“ kennenlernen, ich wollte immer schon hoch hinaus. Ich konnte mir einfach kein Bild davon machen, wie es ist, zu schweben, völlig unabhängig davon zu sein, was unter einem ist. Als sehr abenteuerlustige Person war ich deshalb sofort offen, mich auf etwas völlig Neues einzulassen. Das Programm „Astronaut:in für einen Tag“ bot mir die Möglichkeit, genau so etwas zu erleben, etwas, das ich so schnell nicht wieder vergessen werde.
Der Aufnahme ins Team war ein mehrstufiges Auswahlverfahren vorangegangen. Was war alles getestet worden?
Der Weg bis zum Parabelflug war lang und keineswegs leicht, aber er war es mit Sicherheit wert, und ich würde es immer wieder tun. Das gesamte Auswahlverfahren fand auf Englisch statt und begann im Juni mit einem 60 Sekunden-Vorstellungsvideo. Darauf folgten ein Logiktest sowie ein Fitnesstest in Linz. Als nach der Sportüberprüfung schließlich nur noch 35 aus ursprünglich 800 Teilnehmer:innen übrig waren, stand den Kandidat:innen ein persönliches Interview bevor. Wer dieses erfolgreich meisterte, wurde zu einer medizinischen Flugtauglichkeitsuntersuchung in Salzburg eingeladen, um damit das Auswahlverfahren zu beenden.
Von Luxemburg aus startete ein speziell adaptierter Airbus A310 Zero G zum von Novespace durchgeführten Parabelflug über Paris bis zum Ärmelkanal und wieder retour. Ein Parabelflug ist ein besonderes Flugmanöver, das Flugzeug beschreibt eine zur Erdoberfläche hin geöffnete Wurfparabel, mit dem Zweck, eine Schwerelosigkeit zu erreichen oder simulierte Mikrogravitationsumgebung zu schaffen. Wie viele Parabeln wurden geflogen, und wie fühlte sich das an?
Insgesamt flogen wir 16 Parabeln, bei denen das Flugzeug den Höhenunterschied von 27.000 auf 20.000 Fuß im Sturzflug ab – solvierte. Von „ZeroGravity“ ging es danach mit „HyperGra – vity“ innerhalb von knapp zwölf Sekunden nach oben. Neben 13 Parabeln, in denen wir Schwerelosigkeit kennenlernen durften, wurden auch zwei Mondparabeln und eine Marsparabel absolviert. In diesen wurde jeweils die Anziehungskraft auf dem Mond und dem Mars simuliert. Besonders die Mond-Parabeln fand ich sehr faszinierend. Es war, als könnte man schweben, ohne das Gefühl zu haben, die Kontrolle über seinen eigenen Körper zu verlieren. Das Gefühl ist unbeschreiblich.
Im Zuge des Programms wurdet ihr ebenso unterrichtet, und während des Flugs wurden euch diverse Experimente gezeigt. Was war dies alles, und was faszinierte dich da – bei am meisten? Im Rahmen des Programmes durften wir nicht nur das Gefühl von Schwerelosigkeit erleben, sondern wurden auch vielfältig auf die Aufgabe als „Weltraumbotschafter:innen“ vorbereitet. Unter anderem nahmen wir an Workshops teil, in welchen uns erklärt wurde, wie man richtig Interviews hält, und wie man gute Fotos schießt. Außerdem durften wir ein gemeinsames Q&A mit Carmen Possnig, der österreichischen ESA-Reserveastronautin, führen, in welchem wir einen wertvollen Einblick ins „Astronautensein“ erhielten. So spannend die Workshops auch waren, das eigentliche Highlight, der Parabelflug, stand uns erst bevor. Während des Fluges wurden uns verschiedene Experimente gezeigt, die veranschaulichten, wie sich die Schwerkraft auf physikalische Prozesse auswirkt. Besonders faszinierend fand ich zu sehen, wie sich Flüssigkeiten zu kugelförmigen Tropfen formen, wenn sie Zero-Gravity ausgesetzt sind. Sobald die Schwerkraft wieder einsetzt, fallen die Wassermassen zurück auf den Boden, fast wie sehr schwere Regentropfen.
Du wirst also nun für ein Jahr in deiner Schulgemeinschaft als Botschafterin dieser Initiative, als sogenannte Weltraumbotschafterin fungieren, deine Erfahrungen weitergeben. Eine große Aufgabe, fühlst du dich ihr gewachsen? Hast du schon Projekte geplant? Die Aufgabe als Weltraumbotschafterin eröffnet mir viele Wege. Sie ermöglicht es mir, meine Faszination zu teilen und vielleicht sogar das Interesse Gleichaltriger zu wecken. Für mich ist Weltraum so viel mehr als nur komplizierte Physik und endlose Formeln. Das Universum ist unendlich, und obwohl „Unendlichkeit“ für uns Menschen nicht wirklich fassbar ist, sehne ich mich danach zu verstehen, was dort draußen passiert. Ich finde, dass gerade das, was wir noch nicht wissen, uns als Menschen verbindet, unabhängig davon, wer wir sind. Wenn wir darauf achten, welche Ausmaße das Universum hat, merken wir, wie unfassbar klein und doch unendlich bedeutend jede:r Einzelne von uns ist. Ich möchte als Weltraumbotschafterin genau das vermitteln. Dieser Wille, verbunden mit meiner Leidenschaft, gibt mir Zuversicht, der Aufgabe gewachsen zu sein. Schließlich ist es nicht mein Ziel, perfekt zu sein, sondern etwas zu bewirken. Ich habe bereits begonnen, ein Projekt an meiner Schule zu planen, bei dem ich meinen Mitschüler:innen das Programm näherbringen möchte. Außerdem ist mir schon von einem Event erzählt worden, das wohl im Juni stattfinden soll, allerdings habe ich dazu bisher noch nicht viele Informationen erhalten.
Danke, Maria, für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg und Freude! gm












