Als Kinder spielten
Ameacht amol:
Bild: Zerstreuung für den Nachwuchs beim Gauder Fest 1939.
Noch heute sind im Zillertal viele Spiele bekannt, auch wenn sie infolge anderweitig vorherrschender Zerstreuungen nicht mehr gespielt werden. In alter Zeit gab es noch kein Fernsehen, dieses kam erst nach und nach während der 1960er-Jahre in die Häuser. Im mittleren Talbereich gab es sogar ein Gebiet, in welchem auch während der beginnenden 1970er-Jahre der Empfang aufgrund fehlenden Signales nicht möglich war. Erst mit dem Ausbau der Sendestation am Gerlosstein wurde eine flächendeckende Versorgung mittels Fernsehen gewährleistet.
Es bestand demnach für den Nachwuchs keinerlei mediale Ablenkung, ganz zu schweigen von Mobiltelefonen, Videospielen und Internet. Die Kinder hatten sich also mit sich selbst zu beschäftigen. Auch eine schulische Betreuung über die reguläre tägliche Schulzeit hinaus war unbekannt, außer der Schüler oder die Schülerin hatten wegen eines Fehlverhaltens „Überstunden“, allgemein als Karzer umschrieben, zu absolvieren. Ob solches heute noch praktiziert wird, ist dem Schreiber unbekannt, ist er doch seit mehr als fünfzig Jahren der Pflichtschule entwachsen.
Wie eingangs erwähnt, sind heute noch Kinderspiele aus alter Zeit geläufig, mit ihnen vergnügt man sich aber wegen vielfältiger Ablenkungen nicht mehr. Archive bergen Abbildungen, wo anläßlich des 1939 stattgefundenen Gauder Festes Kinder mit verschiedenen Spielen beschäftigt wurden, z. B. in Form von Sackhüpfen und anderweitigen Zerstreuungen. Dies könnte also die frühe Form des heute vom Zeller Tourismusverband angebotenen „Kindernestes“ sein, wenn geschultes Personal sich um die Gästekinder kümmert.
Weiteres Bildmaterial zeigt eine „Kinderhochzeit“, wo unter der anwesenden Jugend ausgezählt wurde, wer die Braut, den Bräutigam, den Pfarrer und die restliche Hochzeitsgesellschaft darzustellen hatte. Der Schreiber erinnert sich, dass die Position des Bräutigams nicht sonderlich begehrt war und nur mit Widerwillen angenommen wurde, musste er doch nach der sogenannten Trauung die Braut bussln.
Anderweitige Spiele sind das „Derleasn“, wo eine gewisse Zahl von Fängern die restlichen Mitspieler fangen musste, die dann stehenzubleiben hatten. Ein noch freier Mitspieler, meistens ein guter Freund, konnte den Gefangenen durch Handschlag wieder erlösen. Die Fänger hatten also aufzupassen, dass keine freien Mitspieler den „Ogepecktn“ zu nahe kamen und diese befreien konnten. Ein weiteres sehr beliebtes Spiel war das „Fockntreibn“. Dabei machte ein Spieler eine Grube und hütete diese mit einem Stock. Weitere Spieler begannen der Reihe nach mit jeweils einem Stockschlag einen Stein, den „Fockn“, in das Loch zu bugsieren. Kam der Stein in die Nähe des Loches, wurde vom Grubencapo, dem Hüter des Loches, derselbe möglichst weit weggeschlagen.
Dann wäre da noch das „Haslhaun“, welches ähnlich von statten ging wie das „Fockntreibn“. Das Hasl war dabei ein Scheit oder Holzklotz, welches mit einem Stock vom Treiber geschlagen wurde. Die Mitspieler platzierten ihre Stöcke in einer Grube und mussten darauf achten, nicht vom Klotz an den Beinen getroffen zu werden. Auch durfte der Klotz nicht in der Grube des Hüters landen. Gelang einem dies nicht, versuchte er den Klotz möglichst weit fortzuschlagen. Dadurch hatte er den Stock aus der Grube zu nehmen, worauf der Treiber trachtete, seinen Stock in derselben zu versenken. Der so Überlistete wurde dadurch zum Haslhauer oder -treiber.










