Allerlei Brauchtum und Legenden ranken sich um den heiligen Martin
Von Lichtern & Feuerschein, vom Teilen & Faschingsbeginn und von schnatternden Gänsen
Süß anzusehen sind sie, unsere Kinder, wenn sie Martinslieder singend stolz mit ihren selbstgebastelten Laternen ziehen und mit den Lichtern das Abenddunkel erhellen. Den Umzug an führt der mit einem Mantel oder Umhang gekleidete „heilige Martin“ auf seinem Pferd. Am 11. November ist es wieder so weit, wir feiern „Martini“, das Fest des heiligen Martin von Tours. Und dieser „Sankt-Martins-Tag“ ist von zahlreichen Traditionen geprägt.
Das Datum rührt vom Tag der Grablegung von Bischof Martin von Tours im Jahre 397 her. Die unterschiedlichen Bräuche haben sich aus zwei Anlässen entwickelt. In der Zeit des Byzantinisches Reichs hat der Martinstag in der Fastenzeit gelegen, die vor Weihnachten begangen worden ist. Am letzten Tag vor dieser entbehrungsreichen Zeit hat noch einmal ausgiebig gegessen werden dürfen. Der Martinstag hat außerdem als Abschluss eines landwirtschaftlichen Wirtschaftsjahres gegolten – mit Verkostung des neuen Weins, Viehabtrieb sowie der Abgabe des „Zehnten“. Diese Steuern sind in Naturalien beglichen worden, unter anderem ist mit Gänsen bezahlt worden. Daraus hat sich die Bezeichnung Martinstag gebildet, und da es Tradition gewesen ist, diesen Tag mit allem Drum und Dran zu feiern, ist die Gans zum Festessen erkoren worden und noch heute als Martinigansl beliebt. Doch ranken sich ebenso andere Legenden um die Martinigans, z. B., dass sich Martin vor der Bischofsweihe im Gänsestall versteckt hat, jedoch durch das Schnattern der Tiere entdeckt und doch geweiht worden ist. Oder die Erzählung, dass eine Gänseschar schnatternd in die Kirche gekommen ist und Bischof Martins Predigt unterbrochen hat, worauf die Tiere eingefangen und verspeist worden sind. Diese gelten jedoch als sogenannte Sekundärlegenden, solche, die erst im Nachhinein versuchen, ein Brauchtum zu erklären. Bis in unsere Zeit beziehen sich Landpachtverträge noch oftmals auf Martini als Beginn- und Endtermin, da diese Zeitspanne eine natürliche Bewirtschaftungsperiode umfasst. Dies hat dem Martinstag auch die Bezeichnung Zinstag eingebracht. Aus dem Beginn der damaligen Fastenzeit sowie aus der Lehenspflicht hat sich das Martinsbrauchtum herauskristallisiert, die älteste Schicht hat es bis 1800 gegeben. Einen Bezug zur Person des heiligen Martin sowie den Legenden, die ihn umgeben, hat das Brauchtum erst im 19. Jhd. bekommen.
Am Abend vor dem 11. November haben Kinder ihre Heischebräuche ausgelebt, Erwachsene zu Hause und in Gaststätten ihre Geselligkeit. Martinsfeuer sind abgebrannt worden, ergänzt von Bräuchen wie den Tanz ums oder den Sprung übers Feuer oder Fackelläufe. Im 18. und 19. Jhd. ist das Martinsfeuer zeitweise verboten worden. Im 20. Jhd. hat sich die Tradition etabliert, den Fasching mit 11. November einzuläuten – ausgehend vom Rheinischen Karneval, wo es üblich geworden ist, die Karnevalssession an diesem Tag auszurufen.
Laut heutiger Brauchtumsforschung hat sich das spontane Martinsbrauchtum im 19. Jhd. „zu einer städtischen und katechetischen Großveranstaltung mit komplexen Organisationsstrukturen“ entwickelt, aus dem Ende des 20. Jhd. eine „ökonomische Funktionalisierung und Kommerzialisierung“ geworden ist. Laternenumzüge sowie spontane Heischegänge der Kinder sind nun – in Kirchengemeinden, Kommunen oder Schulen – von Erwachsenen organisiert und dazu auf Legenden Heiliger zurückgegriffen worden, um eine Verbindung von Mittelalter und Gegenwart herzustellen. Am bekanntesten ist die Legende über den Soldaten Martin, der seinen Mantel mit einem Bettler geteilt hat. Dass der römische Soldat Martin aus religiösen Gründen den Kriegsdienst verweigert hat, hat im Brauchtum keine tiefere Beachtung gefunden.
Der Martinszug, wie er heutzutage stattfindet, bei dem der heilige Martin als Bischof oder Soldat mitreitet, ist Ende 19./Anfang 20. Jhd. entstanden. Lassen wir uns also von der Freude unserer Kinder anstecken, basteln wir mit ihnen Laternen, singen wir mit ihnen, und feiern wir einen lichtvollen Martinstag.
Die Redaktion
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Martinstag









